Umgebindehaus - Volksbauweise in der Oberlausitz

Bildurheber: Umgebindehaus - Jürgen Bollmann

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Es gibt noch eine Vielzahl von Umgebindehäusern, die in der Oberlausitz, Nordböhmen und in Niederschlesien die Landschaft prägen. Diese bilden ein abgeschlossenes Gebiet einer einzigartigen volkstümlichen Architektur inmitten Europas. Zugleich sind diese Umgebindehäuser auch ein Zeugnis für die Bodenständigkeit der Bewohner und die Verbundenheit mit ihrer Heimat.
Ein Rückgang von ca. 15.000 Häusern innerhalb von 100 Jahren verdeutlich jedoch, wie wichtig es ist die noch bestehenden Bauwerke zu erhalten. In so einer Fülle treten nirgendwo solche Bauwerke mit einem derartigen Charakter auf.
Die Gegend von Löbau und Zittau bilden das Filetstück der noch vorhanden Umgebindehäuser. Diese zählen neben den in der Oberlausitz ebenfalls vorkommenden Fachwerkhäusern zu den wichtigsten und schönsten Gebäuden der hölzernen Architektur.

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Diese Bauweise wurde im 16. Jahrhundert (1580) zum ersten mal erwähnt und ist schriftlich nachweisbar. Im wesentlichen erstreckte sich die Blütezeit des Hausbaus vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jahrhundert stammen die meisten der heute noch präsenten Häuser. Das „Reiterhaus“ in Neusalza-Spremberg ist ein noch besonders altes und erhaltenes Umgebindehaus. Der Begriff „Umgebindehaus“ entstand erst im 19. Jahrhundert, nachdem das Thema von Fachleuten wissenschaftlich vereinnahmt wurde. „Bundwerkhäusl“ wurden diese ursprünglich genannt.

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"Reine" Weberhäuser

"Reine" Weberhäuser weisen sehr kleine Grundrissmaße von 6 x 10 m auf und hatten selten ein Obergeschoss. Der Stall wurde meist nochmals in Stall und eine kleine Kammer geteilt. Der Boden wurde als Lagerraum genutzt und somit entfiel die Scheune.

Kleinbauern- und Weberhäuser

Kleinbauern- und Weberhäuser weisen die typische Teilung in Stube, Flur und Stall auf, wobei der Stall hinten eine vom Flur aus zu begehende Kammer besaß. Der Stall wurde zur Viehhaltung genutzt. Wenn sich keine separate Scheune lohnte, wurde einfach eine vierte Zone als Scheune angebaut.

Bauernhäuser

Bauernhäuser wurden auf die gleiche Art genutzt, wie das Kleinbauernhaus. Sie besaßen jedoch meist ein Obergeschoss, deren Kammern verschiedentlich genutzt wurden und eine Scheune als Lagerraum. Es kam jedoch auch vor, dass die Scheune und der Stall als Nebengebäude errichtet wurden. So entstanden die Dreiseitenhöfe.

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Faktorenhäuser

Die Bereiche in den Faktorenhäusern wurden oft noch mehrmals untergliedert. Sie besaßen zum Teil einen Schauraum für den Verkauf der Waren, verschiedene Arbeitsräume und eine separate Küche. Die Stallzone wurde in der Regel zum Lagerraum umfunktioniert. Die Umgebindezone der Faktorenhäuser wurde immer kleiner und betrug zum Teil nur noch 20 % der Gesamtfläche. Diese besaßen immer ein Obergeschoss. Auch hier konnten die Lagerräume in Nebengebäuden untergebracht werden. So entstanden Zwei- oder Vierseitenhöfe.

Häuser mit hauseigenem Handwerk

In Häusern mit hauseigenem Handwerk waren zumeist Schuster, Bäcker, Tischler und ähnliche zu Hause. Die Aufteilung der Räume wurde auf Grund der unterschiedlichen Bedürfnisse unterschiedlich gestaltet.
Auswärtige Handwerker und Tagelöhner haben zumeist nur gewohnt und man brauchte nicht viel Platz für Handwerk und Tiere.
Im Doppelstubenhaus wurde durch den erhöhten Platzbedarf für das Weben, der Stallbereich als Blockstube gebaut. Auch wenn keine Landwirtschaft betrieben wurde, kam diese Form des Umgebindehauses zum Einsatz. Dabei wurde das Umgebinde allseitig um das Haus angeordnet.
Wassermühlen und Schmieden wurden mit erheblichen Abweichungen von dem Grundtyp der Umgebindehäuser errichtet.


Heutige Nutzung

Die Nutzung der Umgebindehäuser war immer wieder dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel unterworfen.
Mit der zunehmenden Verlagerung der Weberei in die Fabriken und der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, somit war die ursprüngliche Nutzung der Umgebindehäuser nicht mehr nötig. Aus den einstigen Weber- und Bauernhäusern wurden nun reine Wohnhäuser. Moderne Sanitäreinrichtungen, die Elektrifizierung sowie Heizungsanlagen und die Erschließung des Obergeschosses als beheizter Wohnraum sind wesentliche Punkte, die in der heutigen Zeit eine Umgestaltung der Umgebindehäuser notwendig machen. Heute werden die Umgebindehäuser neben dem Wohnen auch als Pensionen, Gaststätten, Läden, Handwerker, Museen und andere kulturelle, gewerbliche und soziale Einrichtungen genutzt.

Denkmalschutz

Ein grossteil der heute noch erhaltenen Umgebindehäuser stehen bereits unter Denkmalschutz. Deshalb ist dies ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Modernisierung und Sanierung von Umgebindehäusern.
Anforderungen aus dem Denkmalschutz ergeben sich meist nicht nur für die äußere Erscheinung des Gebäudes, meist ist auch eine verträgliche Nutzung mit der Unterhaltung bzw. Bewirtschaftung zu verbinden. Dies betrifft besonders der Bewahrung des Grundrisses, der einzelnen Räume und des gesamten Erscheinungsbildes des Gebäudes auch in seinem Umfeld in historischen Ortskernen, Straßenzügen oder Plätzen.
Jedes Umgebindehaus das unter Denkmalschutz steht stellt eine Besonderheit dar, die auch besonderer Beachtung bedarf. Dies soll nur ein kleiner Einblick in den Denkmalschutz sein da sich die Rechtslage ständige verändert und komplizierte rechtliche Belange kompetente Partner erforden.

Veranstaltungen rund um das Umgebindehaus
Seit 2005 wird der „Tag des offenen Umgebindehauses“ veranstaltet mit Ortsführungen, Handwerk, geöffneten Häusern und einer Ausstellung in der Hochschule Zittau / Görlitz, erfreuen die zahlreichen Besucher jedes Jahr aufs neue. Also seien Sie dieses Jahr auch dabei, wenn die Umgebindehäuser und deren Besitzer im Zittauer Gebirge und dessen Vorland, im Oberlausitzer Bergland, in der Hinteren Sächsischen Schweiz sowie in der angrenzenden polnischen und tschechischen Region wieder ihre Türen öffnen.

In der Oberlausitz haben sich viele Zimmereien und Tischlereien in Zusammenarbeit mit renomierten Architekturbüros auf die Rekonstruktion und Erhaltung sowie den kompletten Neubau von Umgebindehäusern spezialisiert.

Tischlerei Achtert Sohland / Wehrsdorf

Zimmereibetrieb Klippel Beiersdorf

DIETRICH + PARTNER architekten ingenieure Wilthen

Heinze und Co. Gmb Zittau