Rathaus Bochum

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Ab 1697 befand sich das alte Rathaus der Stadt Bochum am Alten Markt gegenüber der Propsteikirche St. Peter und Paul und ab 1886 in einem ehemaligen Hotel an der Alleestraße. Im Zuge der Eingemeindungen 1904, 1926 und 1929 sollte die Verwaltung Bochums mit nun über 200.000 Einwohnern in einem Neubau zentralisiert werden.

Ein erster Architektenwettbewerb zur Neuerrichtung eines angemessenen Rathauses fand 1912–1913 statt, führte jedoch nicht zur weiteren Ausführung. Durch den Ersten Weltkrieg wurden die Neubaupläne zunächst zurückgestellt, ehe 1925 ein weiterer Architektenwettbewerb ausgerufen wurde. Auch nach diesem erneuten Wettbewerb konnte keiner der Preisträger die Ausführung des Rathauses übernehmen. Gleichwohl wurde der Rathausneubau dringlicher denn je. Mit dem Ziel einer zeitlosen Architektur wurde daher 1926 Karl Roth, der bereits die Rathäuser in Dresden (1905–1910), Kassel (1905–1909) und Barmen (Fertigstellung 1922) entworfen hatte, mit einem neuen Entwurf beauftragt.

Bereits 1926 wurde auch mit dem Bau des heutigen Rathauses begonnen, im Jahre 1927 erfolgte die Grundsteinlegung und am 20. Mai 1931 fand die Eröffnung statt. Der Rathausbau kostete die hohe Summe von 9,25 Millionen Reichsmark.

Der Darmstädter Architekt Karl Roth schuf ein hoch modernes Bürogebäude mit 329 Räumen im historischen Gewand des spanischen Klosters in El Escorial (1562–1584) und damit im Stil der ornamentlosen spanischen Renaissance. Das Gebäude weist einen symmetrischen Grundriss auf. Die Außenseite ist schlicht gehalten und das Eingangsportal sowie der zweistöckige Vorbau an der rechten Front sind die einzigen Fassaden-Schmuckelemente. Der Sockel des Gebäudes besteht aus hartem Granitstein, für die Fassade wurden Muschelkalk und für das Dach Schiefer verwendet.

Das Rathaus erhielt kunstvolle Bronzegitter, Skulpturen aus Bronze sowie meisterhaften Steinmetzarbeiten durch namhafte deutsche Künstler: August Vogel (1887–1932), Paul Wynand (1879–1956), Richard Langer (1879–1950), Richard Guhr (1873–1956) und Augusto Varnesi (1866–1941). In den Fluren und Repräsentationsräumen des Hauses wurden Marmor, Kupfer, Bronze und dunkle Holztäfelungen verwendet.

Der 40 × 46 Meter messende Innenhof wird von vier Seiten vollständig umschlossen. In der Symmetrieachse des Ratshofes liegt auch der Rathaussitzungssaal (Wiederherstellung 1950 nach Plänen von Ferdinand Keilmann) mit dem darunter um 1980 eingerichteten Trauzimmern des Standesamts, so dass zu seinen beiden Seiten Nebenhöfe entstanden. Hier befinden sich bis heute ein Glockenspiel und zwei Brunnen. Im Innenhof lagen ursprünglich Kassenhallen, die vor der Einführung des bargeldlosen Verkehrs den Steuer-, Lohn-, Sozial- und sonstige Zahlungen dienten.

Wegen angeblich übertriebener Pracht am Rathaus griffen die Nationalsozialisten den damaligen jüdischen Oberbürgermeister Otto Ruer (1879–1933) an und trieben ihn in den Selbstmord. Ruer hatte wegen der Angriffe auf seine Person viele Schmuckarbeiten am Rathaus eingestellt. Die Nationalsozialisten ließen 1943 die Bronzeskulpturen für Rüstungszwecke einschmelzen, durch Kriegsschäden gingen die Steinmetzarbeiten mit Ausnahme kleiner Löwenköpfe über dem Portal verloren.

Die Kriegsschäden aus dem Zweiten Weltkrieg am Rathaus wurden bis 1951 behoben. In den Jahren 1980 und 1982 wurden weitere Gebäude errichtet. Mit dem Bildungs- und Verwaltungszentrum (BVZ) und Flächen im angemieteten Rathauscenter kam weiterer Raum hinzu. Im Jahr 2000 wurden Teilbereiche des historischen Rathauses zwecks Einrichtung von Bürgerbüros sowie Anlaufstellen für den Umweltservice, die Polizei und für die städtischen Verkehrsbetriebe (BOGESTRA) umgebaut. Die Eröffnung fand am 4. Dezember 2000 statt.

(Der Text entstammt dem Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_Bochum aus der freien Enzyklopädie Wikipedia).