Paul Wulf

Bildurheber: city-map Münster

Paul Wulf (* 2. Mai1921; † 3. Juli1999) war ein Opfer des NS-Regimes, der seinen Fall gerichtlich aufarbeitete, und durch die Organisation von antifaschistischen Ausstellungen in und um Münster regionale Bekanntheit erlangte.

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Paul Wulf wuchs unter proletarischen Verhältnissen im Ruhrgebiet auf. Sein Vater arbeitete von 1921 bis 1928 auf der Zeche Ernestine. Aus finanziellen Gründen schickten die Eltern Paul Wulf 1928 in das Kinderheim des katholischen St. Vincent-Heims in Cloppenburg. 1932 kam er in die jugendpsychiatrische Anstalt in Marsberg. Mangels Heimplätzen lebten hier „gesunde“ und „kranke“ Kinder. Hier wurde Wulf das erste Mal mit rassenhygienischen Maßnahmen konfrontiert. Die Eltern stellten 1937 einen Antrag auf Entlassung, dem der Leiter der Anstalt nur unter der Bedingung der Zwangssterilisation zustimmen wollte. Seinem Patienten stellte der Leiter die Diagnose „angeborenen Schwachsinn ersten Grades“ aus. Die Eltern gaben die geforderte Zustimmung zur Zwangssterilisation. Am 12. März 1938 wurde Paul Wulf im PaderbornerLandeskrankenhaus zwangssterilisiert.Paul Wulf leistete nach seiner Entlassung Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

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Paul Wulf wurde vor allem durch seine antifaschistischen Ausstellungen bekannt. Angeregt durch die Arbeiten von John Heartfield und Ernst Friedrich informierte er über Recherchen und politische Zusammenhänge in Form von Collagen. Zentrale Themen waren die nationalsozialistische Euthanasie, die Aktion T4, und Zwangssterilisation, „die Situation der Frauen, der Jugendlichen und der Sinti und Roma im NS-Staat“. Paul Wulf verstand sich als Anarchist und Kommunist, und war zeitweiliges Mitglied der KPD und der VVN. An außerparlamentarischen und antimilitaristischen Aktivitäten, wie Anti-Atom-, Anti-Kriegs- oder Antifa-Demonstrationen in Münster war er regelmäßig beteiligt. Der Freund und Dokumentarfilmer Robert Krieg weist darauf hin, dass Paul Wulf es nicht scheute, seine persönlichen Erfahrungen aus der NS-Zeit öffentlich kundzumachen:

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„Paul hat sich als einer der ganz wenigen nicht gescheut, das an ihm begangene Unrecht öffentlich zu machen. Er hat sich als Zwangssterilisierter in der Öffentlichkeit bloßgestellt und dadurch noch einmal stigmatisieren lassen. Er hat es geschafft, die Scham, das Gebot des Schweigens, zu überwinden und ist dadurch zu einem der bedeutendsten Sprecher der ca. 400.000 Menschen geworden, die im Sinne der Reinhaltung der Rasse, der Aussonderung des Andersartigen im Deutschen Reich unfruchtbar gemacht wurden. Mehr als 100 000 von ihnen wurden später im Rahmen des Euthanasie-Programms ermordet.“Robert Krieg: „Ich lehre Euch: Gedächtnis!“ 1991 erhielt er für seine Bildungsarbeit das Bundesverdienstkreuz, das er nur unter der Kritik an der Auszeichnungspraxis, welche auch ehemalige Nationalsozialisten ehrte, entgegennahm.Teile seiner Ausstellung sind noch heute in der Bildungsstätte Villa ten Hompel in Münster zugänglich.

Die Künstlerin Silke Wagner entwarf für die Skulptur.Projekte 2007 gemeinsam mit dem Münsteraner Umweltzentrum-Archiv-Verein ein Paul-Wulf-Denkmal.