Johanneskirche (Billensbach)

Die Johanneskirche ist eine 1955/1956 erbaute evangelische Kirche im Teilort Billensbach der baden-württembergischen Stadt Beilstein (Württemberg). Die Kirche wurde v. a. wegen ihrer künstlerischen Glasfenster bekannt.

Die sieben Weiler Billensbach, Etzlenswenden, Gagernberg, Jettenbach, Kaisersbach, Klingen und Maad, die einst zu Schmidhausen zählten und mit diesem 1971 zur Stadt Beilstein kamen, waren im Gegensatz zum kirchlich zu Gronau zählenden Schmidhausen kirchlich ursprünglich Teil der evangelischen Kirchengemeinde Beilstein. Da die Einwohner der Weiler mangels eigener Kirche einen sehr weiten Weg zum Gottesdienst hatten, kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Wunsch nach Unabhängigkeit von der Muttergemeinde und der Errichtung einer eigenen Kirche auf.

Bild: RomanEisele@wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Für den Kirchbau wurde mehrfach Geld gesammelt, aber diese Bemühungen scheiterten jedes Mal in den Wirren und Nöten des Ersten und Zweiten Weltkriegs.

Beunruhigt von der zunehmenden Werbung durch neureligiöse Gruppen im ländlichen Raum entsandte der württembergische Oberkirchenrat 1949 erstmals einen eigenen Vikar in die Sieben Weiler, der im Billensbacher Schulhaus unterkam und dort regelmäßige Gottesdienste abhielt. Dank der Tatkraft und dem Einsatz von Werner Ullrich († 2005), der 1954 bis 1963 Vikar in Billensbach war, gelang es, die vorhandenen Mittel und Kräfte zu bündeln, dass nach langem Streit über den Bauplatz u. Ä. Ende 1955 mit dem Bau einer eigenen Kirche begonnen werden konnte. Diese wurde nach einem Jahr Bauzeit am 2. Dezember 1956 mit einem Festgottesdienst eingeweiht.

Bild: RomanEisele@wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Infolgedessen wurde Billensbach 1962 zur eigenständigen Kirchengemeinde mit Pfarrhaus in Billensbach. Bis 1992 bestand zwar auf dem Papier noch eine Gesamtkirchengemeinde aus Beilstein und Billensbach, diese hatte aber keinerlei Funktionen und beeinflusste die vollständige Selbstständigkeit beider Einzelgemeinden nicht. Nachdem der Oberkirchenrat Einsparungen vorgeschrieben hatte, erfolgte jedoch zum 1. Januar 2006 wieder eine Fusion beider Kirchengemeinden zur neuen Gemeinde Beilstein-Billensbach.

Der Bau der Johanneskirche brachte den sieben Weilern erstmals breitere Aufmerksamkeit ein. Da die Finanzierung die kleine Gemeinde vor große Herausforderungen stellte, steuerte jede Familie einen festen Beitrag bei; aus dem Umstand, dass die Finanzierung dieser Spenden den Einzelnen überlassen blieb und sich möglicherweise einige Familien einer damals im ländlichen Raum gängigen ‚Anlageform‘ bedienten, titelte die Bild-Zeitung: „Aus 32 Schweinen wird eine Kirche“. Nach der Einweihung wurde die Aufmerksamkeit niveauvoller: Diverse Zeitungen bildeten den Neubau als Muster modernen Kirchenbaus ab, Architektur- und Kunststudenten kamen ebenso wie Pfarrer und Volkshochschulgruppen gleich busweise zur Besichtigung, und in den 1970er-Jahren entwickelte sich die Kirche zu einem beliebten Trauungsort.

Seit einem Diebstahl Ende der 1970er-Jahre ist die Kirche nur noch zum Gottesdienst geöffnet, sie kann jedoch bei Führungen (Ende Juli bis Ende September, Sonntags 14 bis 17 Uhr) sowie auf Anmeldung beim Pfarramt besichtigt werden.