St. Michael (Neckargartach)

St. Michael ist eine katholische Kirche an der Sudetenstraße 55 im Heilbronner Stadtteil Neckargartach. Sie wurde 1959 in einer damals neu angelegten Heimatvertriebenen-Siedlung vollendet und dem Erzengel Michael geweiht. Seit 1992 ist die Kirche ein Kulturdenkmal.

Bild: P.Schmelzle@wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Neckargartach war seit der Durchführung der Reformation 1543 rein protestantisch geprägt. Katholiken siedelten sich erst wieder ab dem 19. Jahrhundert an. Im Jahr 1900 wurden 92 Katholiken gezählt. Die Gemeinde zählte zunächst zu der katholischen Stadtpfarrei St. Peter und Paul in Heilbronn und hatte keine eigene Kirche in Neckargartach. 1933 betrug die Zahl der Katholiken in Neckargartach 209 Personen.

Bild: P.Schmelzle@wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde stark an. 1949 waren es bereits rund 600 Katholiken. Stadtpfarrer Laub führte 1946 in Neckargartach katholische Sonntagsgottesdienste ein, die zunächst noch im evangelischen Gemeindehaus abgehalten wurden. 1951 gab es erste Gottesdienste in polnischer Sprache für in der Region gebliebene ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. 1956 erwarb die katholische Gemeinde ein Grundstück in der Ortsmitte, das sich jedoch als ungeeignet für einen Kirchenbau erwies. Durch einen Grundstückstausch mit der Stadt Heilbronn gelangte die Gemeinde dann in den Besitz des Grundstücks auf dem Höhenzug zwischen Römer- und Liebermannstraße südlich des historischen Ortskerns.

Der Sakralbau wurde nach Plänen des Stuttgarter Architekten Hans-Georg Reuter gebaut. Der erste Spatenstich erfolgte am 5. Juli 1958, die eigentlichen Bauarbeiten begannen nach dem Abernten des zuvor noch landwirtschaftlich genutzten Bauplatzes mit der Grundsteinlegung am 5. Oktober 1958. Nach etwas mehr als einjähriger Bauzeit wurde die Kirche am 10. und 11. Oktober 1959 von Weihbischof Wilhelm Sedlmeier geweiht. Nachdem die Gemeinde auch bis 1967 ein Gemeindehaus, einen Kindergarten und ein Pfarrhaus erbaut hatte, wurde der Seelsorgebezirk St. Michael mit Urkunde vom 2. Juli 1970 des Rottenburger Bischofs Carl Joseph Leiprecht zum 15. Juli 1970 zur selbstständigen Pfarrei erhoben. In jenem Jahr lebten bereits über 2000 Katholiken in Neckargartach. Die Gottesdienste in polnischer Sprache, die seit 1958 monatlich stattgefunden hatten, wurden ab den 1990er Jahren nach dem Anwachsen der Gemeinde durch Migranten wöchentlich abgehalten.

Bild: P.Schmelzle@wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Die Kirche wurde im Lauf der Zeit um verschiedene Kunstgegenstände bereichert, z. B. um einen Wandteppich, eine Antonius- und eine Michaelsstatue. 1992 wurde der Sakralbau wegen seines Originalitätswerts in der Sakralbaukunst des 20. Jahrhunderts zum Kulturdenkmal erklärt. 1993 konnte eine neue Orgel angeschafft werden. 1995 wurde das Altarkreuz ersetzt. 1996 erfolgte die Renovierung der Außenfassade, 1998 eine Umgestaltung des Chorraums.