Robert-Mayer-Volks- und Schulsternwarte Heilbronn e.V.

Im Heilbronner Gemeinderat wurden 1914, hauptsächlich auf Betreiben eines Lehrers der damaligen Oberrealschule, Prof. Dr. Karl Wildermuth (Foto), die baulichen Voraussetzungen geschaffen, um auf dem Dach des gerade im Bau befindlichen Mönchseeflügels eine Sternwarte einzurichten. Schon damals bekam die damit drittälteste Volkssternwarte Deutschlands den Namen des berühmten Heilbronners und war von Wildermuth als kombinierte Volks- und Schulsternwarte geplant. Doch nachdem Wildermuth Robert Bosch zur Stiftung eines physikalischen Musterkabinetts hatte bewegen können und 1920 als einer der Mitbegründer der "Württembergischen Musteranstalt für den Physikunterricht" nach Stuttgart ging, war das Schicksal der als Volks- und Schulsternwarte wohl einzigartigen Kombination für lange Zeit besiegelt.

Bild: Sternwarte@wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Das hochwertige Instrumentarium, das aus einem 13-cm-Zeiss-Linsenteleskop, einem Meridiankreis zur Bestimmung von Sternkoordinaten, einigen kleineren Instrumenten und einem heute sehr seltenen Sternhohlglobus bestand, wurde in den darauffolgenden Jahren nur noch durch die Schule genutzt. Lediglich Studienrat Hans Seitz bot zwischen 1929 und 1933 in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kurse, Vorträge und Führungen an.

Bild: Sternwarte@wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Zu Beginn der Bombardierung deutscher Städte wurden die Geräte höchstwahrscheinlich in den Keller des Hauptflügels ausgelagert, wo sie in den letzten Kriegstagen zerstört und geplündert wurden. Die Sternwarte selbst blieb wie durch ein Wunder inmitten des Heilbronner Trümmermeeres unzerstört.
Gegen Ende der fünfziger Jahre wurde von der Stadt ein Fernrohr für die leerstehende Kuppel angeschafft. Zu diesem "Hauptgerät", einem kleinen Kosmos-Refraktor mit 68 mm Objektivdurchmesser, kamen bis 1960 noch zwei alte Refraktoren, von denen einer zwischen 1830 und 1900 hergestellt wurde. Der andere, ein Zweizöller der Firma Merz, ist ungefähr so alt wie die Sternwarte.
Doch zu diesem Zeitpunkt lag die Sternwarte schon weitgehend brach.

Bild: Sternwarte@wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Bis 1979 wurde sie nur noch sporadisch von einzelnen Schülern zu Beobachtungen genutzt. Einer dieser Schüler, der damals 16-jährige Holger Sturm, bemühte sich in der Folgezeit mit Eifer um die Wiederbelebung der Sternwarte. Gemeinsam mit dem Fachbereichsleiter für Astronomie, Karlheinz Klein, trieb er die Renovierung der Sternwarte voran, die mit Hilfe der Stadt 1989 einen vorläufigen Abschluss erreichte. Die instrumentelle Ausstattung der Sternwarte wurde stark erweitert, für die Kuppel jedoch fehlte noch ein größeres stationäres Gerät. Deshalb wurde 1981 zu Spenden aufgerufen, wobei etwa 20 000 DM zusammenkamen. Die restlichen 55 000 DM wurden durch eine großzügige Spende der Südwestdeutschen Salzwerke AG abgedeckt. So konnte das neue Gerät, ein 15-cm-Coudé-Refraktor mit einer Brennweite von 2,25 m, am 6. September 1983 feierlich übergeben werden. Ab Frühjahr 1984 wurden regelmäßige Sternführungen, zunächst nur mittwochs, später auch freitags, und einige Volkshochschulkurse durchgeführt. Mit der Zeit kamen weitere Amateurastronomen hinzu, um die Geräte und die Bücherei der Sternwarte zu nutzen und bei den Führungen mitzuarbeiten. Dies benötigte eine Änderung der Organisationsform: Am 28. Februar 1987 wurde der "Robert-Mayer-Volks- und Schulsternwarte Heilbronn e.V." gegründet, der seitdem die Sternwarte leitet.
Damit ist die Idee Prof. Dr. Wildermuths Wirklichkeit geworden und in Heilbronn eine kombinierte Volks- und Schulsternwarte entstanden.