Naturparke in Deutschland

Die Naturparke gehören zu den Aktivposten in der ökologischen, strukturpolitischen und landschaftlichen Erfolgsbilanz eines jeden Bundeslandes.

Nach der gesetzlichen Definition sind Naturparke großräumige Gebiete, die überwiegend aus Landschafts- oder Naturschutzgebieten bestehen, sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen und die ihrem Erholungs- und Schutzzweck entsprechend geplant, gegliedert, erschlossen und entwickelt werden.

Sie sind als großräumige Erholungsbereiche und als Ausgleichsflächen für die städtebaulich und industriell genutzten Gebiete zum unveräußerlichen Besitzstand der Bevölkerung mit hoher gesellschaftlicher Akzeptanz geworden. In den Naturparken ist es gelungen, die jeweils typischen Landschaften in ihrer Besonderheit zu erhalten und nachhaltig zu entwickeln.

Die Naturparke haben bewiesen, dass Schutz und Nutzung der Kulturlandschaft vereinbar sind. Viele Beispiele hierfür wurden vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Verbindung mit den Bundeswettbewerben der Naturparke als richtungweisend ausgezeichnet.
So ermöglichen Naturparke eine beispielhafte Synthese insbesondere zwischen den Belangen von Naturschutz und Landschaftspflege einerseits und den Ansprüchen der Erholungssuchenden an die Landschaft andererseits.
Daraus erwächst gleichzeitig eine Stärkung nachhaltiger Entwicklung und regionaler Identität. Die Anfänge der Naturparkbewegung reichen in das Jahr 1909 zurück, als der Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide als erste deutsche Naturschutzorganisation mit dem Ziel eines großflächigen Schutzes von Natur und Landschaft gegründet wurde.

Im Jahre 1956 forderte der Hamburger Kaufmann und Reeder Dr. h. c. Alfred Toepfer als Vorsitzender dieses Vereins für die Bundesrepublik Deutschland ein Naturpark-Programm. In fast allen Bundesländern fand seine Idee, deren Umsetzung er ideell und materiell förderte, eine positive Resonanz und rasche Verwirklichung. Später entstanden, ebenfalls von ihm angeregt, auch Landesgrenzen überschreitende. Naturparke innerhalb Deutschlands und Bundesgrenzen übergreifende Naturparke, so genannte Europa-Parke. 1963 wurde der Verband Deutscher Naturparke gegründet. Leitidee war seinerzeit die Begegnung des Menschen mit der Natur, das Erfahren und Erleben der Schönheit von Natur und Landschaft sowie die Gleichrangigkeit von Naturschutz und Erholung. Entsprechend dieser Leitidee standen Aufgaben der landschaftsbezogenen Erholung zunächst im Vordergrund: Sinnvolle Lenkung des zunehmenden Besucherdrucks, Ausstattung der Naturparke mit landschaftsgerechten Erholungseinrichtungen sowie Ausgleich von Konflikten zwischen Naturschutz und Erholung.

Eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung ermöglicht den Erhalt der gewachsenen Kulturlandschaften(Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald). Der sozialpolitischen Komponente der Naturparke, die Erholungsmöglichkeiten insbesondere für die Menschen in den Städten bieten sollten, wurde ebenfalls große Bedeutung beigemessen. Das Selbstverständnis der Naturparke und deren gesellschaftliche Rolle hat seit Beginn der Naturpark-Bewegung eine Wandlung erfahren.

Der ökologische Ansatz im Umgang mit Natur und Landschaft wird zunehmend höher bewertet. Die Wiedervereinigung
brachte 1989 neue Impulse für die Arbeit der Naturparke. Eine Neuorientierung und zahlreiche Neugründungen von Naturparken, vor allem in den östlichen Bundesländern, waren die Folge. Mit der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio 1992 bekam der Begriff der Nachhaltigkeit zentrale Bedeutung. Im Rahmen der Agenda 21 wurde der ökonomischen und der sozialen Entwicklung die ökologische Entwicklung gleichrangig zur Seite gestellt, um so nachhaltig den Erhalt der Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu garantieren.

Die aus dem Leitbild der Naturparke entwickelten Aufgaben entsprechen diesen Anforderungen der Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 21. Mit dem Ansatz der integrierten und nachhaltigen Entwicklung von Ökologie, Ökonomie und sozialer Lebenswelt können die Naturparke auch einen regionalen Rahmen und ein Dach für die Erarbeitung einer gemeinsamen Lokalen Agenda 21 für den Bereich mehrerer Gemeinden
bilden.

Auf europäischer Ebene wird die Bedeutung der Naturparke zunehmend anerkannt. Der Ausschuss der Regionen hat mit seinen Beschlüssen vom 12.März 1997 „Regionale Naturparks – Beispiele für eine nachhaltige Entwicklung der besonders exponierten Naturlandschaften in der Europäischen Union” zukünftige Aufgaben der Naturparke zur Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums in Europa hervorgehoben. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung gilt es, die bisher geleistete Arbeit mit neuen Schwerpunkten fortzusetzen und den gemeinsamen Weg zu einer zukunftsorientierten Naturparkarbeit aufzuzeigen.

Adresse:
Verband Deutscher Naturparke e.V (VDN)
Geschäftsführer: Ulrich Köster
Görresstraße 15
53113 Bonn

Telefon: +49 228 921286-0
Telefax: +49 228 921286-9
E-Mail: info@naturparke.de
Internet: www.naturparke.de