Knorr (Lebensmittelhersteller)

Knorr ist ein für seine Fertigsuppen bekannter Lebensmittelhersteller in Heilbronn, der heute zur Unilever-Gruppe gehört.

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Das Unternehmen wurde 1838 von Carl Heinrich Theodor Knorr (1800–1875) in Heilbronn gegründet. Am 29. August 1838 eröffnete der Gründer einen Gemischtwarenladen (Kaiserstraße 7), am 28. September 1838 erhielt er die Konzession für den Bau einer Zichorienfabrik für die Herstellung von Kaffeeersatz aus der Wurzel der Zichorie vor dem Brückentor (heutiges Bahnhofsviertel). Die Fabrik mit 53 Arbeitern wurde zur größten Fabrik in Heilbronn, sie wurde jedoch 1855 an August Closs, den Bruder des Schwiegersohns des Firmengründers, verkauft. 1857 gründete Knorr auf dem Hefenweiler eine Tuchfabrik, die er jedoch wegen nicht zu bezahlender Schulden bereits 1858 schließen muss. Im Anschluss gründete Knorr die Firma C. H. Knorr Engros-Geschäft in Reis, Gerste, Sago und Landesprodukten in der Sülmerstraße. Der genaue Gründungszeitpunkt dieses Unternehmens ist unbekannt. 1862 war Knorr laut Heilbronner Adressbuch "Agent in Landesprodukten", das Engros-Geschäft wird 1868 erwähnt, bestand aber wahrscheinlich schon einige Jahre zuvor. Der Firmensitz wurde bis 1872 in die Innere Rosenbergstraße (heute: Kreuzung Wilhelm-/Rollwagstr.) verlegt. 1875 firmierte die Fabrik als C.H. Knorr − Mühlenfabrikate, Landesprodukte, Fabrik von Suppenstoffen.

Erste Erfolge hatte Knorr mit dem Export von Dörrobst nach Ungarn. Um 1870 begann die Fabrik mit der Produktion von Mehlen aus Grünkern, Erbsen, Linsen, Bohnen und Tapioka. Ein Bienenkorb, Symbol für ein „fleißiges Völkchen“, wird zum Markenzeichen der Firma. 1873 beginnt die Produktion von Suppenpräparaten aus Hülsenfrüchten, Gemüse und Gewürzen. Nach dem Tod des Firmengründers 1875 ging die Firma auf dessen Söhne Carl Heinrich Eduard Knorr (1843–1921) und Alfred Knorr (1846–1895) über, die Versuchsgärten zur Verbesserung der Suppenzutaten anlegten und mit dem Bau einer Mühle im Südviertel 1884 den Grundstein für das langjährige Firmengelände legten.

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1885 wurden Abpackstellen in Österreich und der Schweiz eröffnet, um eine Erhöhung von Einfuhrzöllen in diese Länder zu umgehen. Knorr-Fertigsuppen wurden nicht nur als Pulver in Tüten angeboten, sondern ab 1886 als Tafeln, ab 1889 in Wurstform (die bekannte Erbswurst), 1897 als Tabletten und 1910 in Form von Suppenwürfeln.

Seit 1892 bestand darüber hinaus eine eigene Teigwaren-Produktion, 1908 wurde auch Suppenwürze produziert und ab 1911 Fleischbrühwürfel. Fridtjof Nansens Nordpol-Expedition von 1893 ernährte sich von Knorr-Produkten, auf der Heilbronner Gewerbe- und Industrie-Ausstellung von 1897 präsentierte Knorr einen gepressten Gemüseblock von einem Kubikmeter, der 70.000 Portionen Suppe ergab.

Nach dem Tod von Alfred Knorr 1895 übernahm Carl Heinrich Eduard Knorr die alleinige Führung des Unternehmens. 1899 wurde es zu einer Aktiengesellschaft umgewandelt. Die beiden Knorr-Familien hielten zunächst Aktienanteile von jeweils 40 Prozent. In der Folgezeit wurden kleinere Aktienanteile an höhere Angestellte und Knorr-Verwandte vergeben. Zu Vorstandsmitgliedern der Aktiengesellschaft wurden die bisherigen Prokuristen Christian Eberhardt (1857–1939) und Gustav Pielenz (1862–1944) ernannt, die bis 1925 beziehungsweise 1936 im Vorstand blieben. Carl Heinrich Eduard Knorr gehörte von 1899 bis 1905 zunächst dem Aufsichtsrat an, 1905 trat er für sieben Jahre in den Vorstand ein. 1912 wechselte er wieder in den Aufsichtsrat über.

Knorr wurde zunehmend international: 1901 wurde ein Vertrieb in Paris eröffnet, 1902 ein Lagerhaus in Berlin, 1906 ein Verkaufshaus in Paris, 1907 eine Knorr-Fabrik in Wels (Österreich), 1907 eine Knorr-Fabrik in Thayngen (Schweiz), 1908 eine Niederlassung in Breslau, 1909 eine Bouillon-Fabrik in Nancy, 1912 eine Suppenfabrik in Monza und ein Lagerhaus in Düsseldorf.