Die Verführung der Linie

Wien um die Jahrhundertwende: Im Schmelztiegel der Stadt treffen sich die drei großen österreichischen Künstler Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Egon Schiele. Mit der Sonderausstellung „Klimt, Schiele, Kokoschka - Die Verführung der Linie“ widmet sich das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster dem berühmten Dreigestirn und ihrer gemeinsamen Leidenschaft: der zeichnerischen Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper. Vom 26. Oktober 2014 bis zum 18. Januar 2015 kombiniert die Schau historische Fotos mit rund 80 vielfach sinnlich-erotischen Kunstwerken, die zwischen Jugendstil und Expressionismus den Aufbruch in die Moderne wagen.

Bildurheber: Picasso Museum Münster

„Die drei ausgestellten Künstler zeigen neben ihren sehr unterschiedlichen künstlerischen Temperamenten ein großes gemeinsames Interesse an der Ausdruckkraft der Linie“, erklärt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Die Zeichnung gilt ihnen als die unmittelbarste Ausdrucksform und die Ausstellung folgt diesem Ansatz, indem sie ausschließlich Zeichnungen und Grafiken präsentiert.“ Alle drei Künstler widmen sich in den ausgestellten Werken dem menschlichen Körper – von der behutsamen Auseinandersetzung Klimts mit den visuellen weiblichen Attraktionen bis zu Schieles durchaus voyeuristisch anmutenden künstlerischen Annäherungen.

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„Die ausgestellten Werke zeigen die Veränderungen, die das Bild des weiblichen und männlichen Körpers zwischen dem späten 19. und dem mittleren 20. Jahrhundert durchläuft“, ergänzt Dr. Peter Assmann, der die Ausstellung für das Picasso-Museum kuratiert hat. „Angefangen bei den noch akademisch geprägten frühen Arbeiten Klimts, über das verführerisch schöne Lineament des Jugendstils und dem ausdruckstarken Linienduktus Schieles bis zur expressiven Porträtkunst Kokoschkas.“ Gleichzeitig dokumentieren die Werke auch die wichtigen gesellschaftlichen Wandlungen jener Zeit wie die Entwicklung eines moderneren Frauenbildes. Vor allem Oskar Kokoschka hält in seinen sensiblen Porträtzeichnungen die Entstehung einer selbstbewussteren weiblichen Körperlichkeit fest.

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Präsentiert wird die Schau mit Unterstützung der Sparkasse Münsterland Ost: „Die neue Ausstellung verspricht einen wahren Kulturgenuss und gliedert sich damit nahtlos ein in ein Jahr mit zahlreichen kulturellen Höhepunkten“, so Vorstandsvorsitzender Markus Schabel. „Als Sparkasse Münsterland Ost leisten wir gerne einen Beitrag dazu, dass diese besonderen Bilder jetzt hier vor Ort präsentiert werden können. Die Region entfaltet ihre Anziehungskraft damit einmal mehr auf Kunstinteressierte aus Nah und Fern“.

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nAcKTE – Picassos Akte
Angelehnt an die Wiener Sonderausstellung zeigt eine zweite Präsentation, dass auch Pablo Picasso auf dem Gebiet der Aktmalerei nicht untätig war. Die Schau „nAcKTE - Picassos Akte“ präsentiert auf der zweiten Etage des Museums Werke aus dem Eigenbestand des Hauses. Auch Picasso war Zeit seines Lebens von der kreativen Anziehungskraft des weiblichen Körpers fasziniert und bei der künstlerischen Umsetzung ließ er sich wie so oft aus zwei Richtungen inspirieren: von seinen privaten Musen Marie-Thérèse Walter und Françoise Gilot, die ihm vor der Leinwand Modell saßen, und von den großen Meistern wie Cranach und Delacroix.