Die Spießbergbahn in Friedrichroda

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Eine der ältesten deutschen Bob- und Rennschlittenbahnen ist die Spießbergbahn in Friedrichroda. Sie gehört zu zu den wenigen Natureisbahnen Europas, die auch heute noch für Rennrodel-Wettkämpfe genutzt werden.
Der Rote Weg, welcher von Friedrichroda durch den Wald auf den Spießberg führt, ist der Ursprung der Naturbahn. Er wurde schon immer gern zum Schlittenrodeln genutzt.
Carl Benzing, ein Textilkaufmann aus Friedrichroda, ließ sich einen offenen Stahlbob mit Seilzuglenkung bauen, welchen er auf dem Roten Weg zum ersten Mal ausprobierte. Dieser Bob gilt als erster deutscher Bob überhaupt und machte Friedrichroda zur Wiege des deutschen Bobsports. Das erste Bobrennen fand dann am Roten Weg im Winter 1901/1902 mit zehn Bobs aus Ilmenau, Waltershausen, Wickersdorf und Friedrichroda statt und war vermutlich das erste in Deutschland abgehaltene Bobrennen.

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Am 22. Februar 1905 wurde der Wintersportverein (WSV) Friedrichroda mit dem Ziel gegründet, die Hörner- und Rodelschlittenfahrt zu fördern.
Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha erlaubte 1909 den Bau einer regulären Bobbahn am Spießberg, welche nach Plänen von von Carl Benzing parallel zum Roten Weg angelegt wurde. Die 2450 Meter lange Bahn mit 18 Kurven wurde am 2.Februar 1910 mit einem sogenannten Bobsleigh-Rennen eingeweiht. Bereits am 21. Januar desselben Jahres hatte sich der Bobklub Friedrichroda gegründet.
Bis in die 1930er-Jahre fanden mehrere nationale Rennen auf der Naturbahn statt.

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Ab 1949 wurde die Spießbergbahn durch die Mitglieder der Sportgemeinschaft (SG) „Fortuna“ Friedrichroda wiederhergestellt und zu Neujahr 1951 mit einem Rennen wiedereröffnet. In den nachfolgenden zwei Jahrzehnten wurden hier zahlreiche nationale Meisterschaften sowohl im Rennrodeln als auch im Zweierbob ausgetragen. Neben der Wadeberg-Bobbahn in Oberhof war die Spießbergbahn seinerzeit die am häufigsten für nationale Wettbewerbe genutzte Bob- und Rennschlittenbahn der DDR.

1983 wurde die Bahn in ihrem unteren Teil den modernen Erfordernissen angepasst und ein neuer Startbereich angelegt. 2008 wurde der noch befahrbare Teil der Spießbergbahn mit einer Flutlichtanlage ausgestattet.
Der obere, seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr genutzte Teil der ursprünglichen Bahn verfällt zunehmend. So ist die Fahrrinne über weite Strecken bereits komplett von Erde und Wurzelwerk bedeckt und sind die Wände der Kurven moosbewachsen.
Die im Eigentum der Stadt Friedrichroda befindliche Bahn wird in ihrem unteren, heute noch befahrbaren Teil durch die Sportler des Bob- und Rodelclub 05 Friedrichroda e.V. genutzt. Hier werden sowohl Sommer- als auch Winterwettkämpfe abgehalten und das Nachwuchstraining durchgeführt.