Wie kaum ein anderer Industriezweig war die Ziegelindustrie Voraussetzung für das rasche Städtewachstum im 19. Jahrhundert. Die Industrialisierung Deutschlands wäre ohne den Baustoff Ziegel undenkbar gewesen. Lange Zeit garantierten die Ziegeleibetriebe einer Vielzahl von Arbeitern ein sicheres Einkommen; die Arbeitsbedingungen waren allerdings überaus hart.
In vielen Ziegeleien Nord- und Ostdeutschlands und des Ruhrgebiets arbeiteten von März bis Ende Oktober Lippische Ziegler als Wanderarbeiter.
Die Sozialgeschichte dieser Menschen und die Geschichte der Ziegelherstellung sind die zentralen Themen im Westfälischen Industriemuseum Ziegelei Lage. Kern des Museums am nördlichen Stadtrand der „Zieglerstadt” Lage ist eine denkmalgeschützte Ziegelei aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Nachdem die Produktion im Jahre 1979 eingestellt wurde, übernahm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 1982 die komplett erhaltene Anlage und integrierte sie in sein Westfälisches Industriemuseum. Zu diesem Landesmuseum gehören insgesamt acht Standorte.
Ziel war es, den Zustand der Ziegelei zum Zeitpunkt der Betriebsschließung zu bewahren und die Maschinen wieder funktionstüchtig zu machen. Mittlerweile können Besucher und Besucherinnen sämtliche Produktionsschritte im Museum erleben — vom Lehmabbau bis hin zum Ziegelbrand im Hoffmann'schen Ringofen.
1909 gründeten Gustav Beermann und Friedrich Bobe die Ziegelei. In den ersten Jahren stellten die Arbeiter die Ziegel noch in Handarbeit her. Die Ziegel wurden bereits in einem Hoffmann'schen Ringofen gebrannt. Nach dem Ausscheiden Bobes im Jahre 1914 führte Beermann den Betrieb allein weiter. 1922 erfolgte die Umstellung auf Maschinenproduktion. Eine Dampfmaschine trieb damals den Kollergang und eine Strangpresse an.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Arbeitsbereiche Lehmabbau und der Ziegeltransport mechanisiert. Ein Dieselmotor ersetzte die Dampfmaschine und Diesellokomotiven die Pferde, die noch bis Anfang der 196oer Jahre den Lehm zur Ziegelei beförderten. Der harte Konkurrenzkampf und die zur Neige gehenden Lehmvorkommen führten im Jahre 1979 zur Einstellung der Produktion.
Heute präsentiert sich die Ziegelei Lage ihren Gästen als ein Museum, das zum Entdecken, Experimentieren und Mitmachen einlädt.Sie können selbst einen Ziegel herstellen und an Modellen die Funktion der Ziegelei spielerisch nachvollziehen.Die beiden Comicfiguren Ziegelmeister Lehmann und sein Freund Toni, die so manche Abenteuer zu bestehen haben, begleiten die Kinder auf eigenen Ausstellungstafeln mit Aktionsmöglichkeiten durch das Museum.
Regelmäßig wird die Maschinenziegelei in Betrieb genommen und der Hoffmannsche Ringofen für den Ziegelbrand angeheizt. Mehrmals im Jahr brennt das Museum Ziegel in Feldbrandöfen. Jeden ersten Sonntag im Monat fährt die Feldbahn rund um die ehemalige Tonkuhle der Ziegelei Beermann.
Parallel zu den Ausstellungsthemen bietet das Museum eine Reihe von Führungen und museumspädagogischen Programmen für Erwachsene, Kindergärten und Schulklassen aller Schulformen und Jahrgangsstufen an.